Kauf auf Rechnung kann teuer werden

Erst die Ware, dann das Geld – für viele Käufer klingt dieses Angebot mehr als verlockend. Erst kann der Kunde in Ruhe die Ware prüfen und bezahlt am Ende nur das, was er auch wirklich behält. Doch der Kauf auf Rechnung wird für Online-Shopper zunehmend zum Ärgernis. Der Grund: Viele Händler beauftragen externe Dienstleister mit der Bonitätsprüfung und der späteren Rechnungsabwicklung. Viele Verbraucher verwirrt dieses Prozedere und stellenweise führt es zudem zu hohen Nebenkosten des Kaufs, wie eine Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei 30 Shops und sechs Zahlungsabwicklern gezeigt hat.

Payment-Dienstleister in der Kritik
Zahlreiche Beschwerden und viele kritische Posts in Internetforen führten zur Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW: „Bekomme Mahnung über bezahlte Rechnung", "habe einen Teil der Ware retourniert und erhalte statt neuer Rechnung gleich eine Mahnung". Andere bemängeln "exorbitant hohe Mahngebühren". Im Zentrum der Kritik stehen dabei die sogenannten Payment-Dienstleister. Mittlerweile arbeitet rund jeder dritte Shop im Internet mit diesen Finanzdienstleistern zusammen. Die Händler bleiben weiterhin zuständig für Produkte und Dienstleistungen, Versand und Retouren sowie Reklamationen und Gewährleistung. Die Payment-Firmen übernehmen auf der anderen Seite die Bonitätsprüfung der Kunden, wickeln die Zahlung und das Mahnwesen ab. Die Verbraucherzentrale NRW hat rund ein Dutzend dieser Unternehmen gezählt die allesamt ihre eigenen Geschäftsbedingungen haben. Und die sind stellenweise nicht ohne, wie die Verbraucherschützer warnen.

Verbraucherzentrale mahnt zur Vorsicht
Die Geschäftsbedingungen der Payment-Dienstleister machen den Rechnungskauf stellenweise „zum Abenteuer“ heißt es von der Verbraucherzentrale NRW. Das Problem: Viele Shops bieten nur magere Informationen zu den Zahlungsmodalitäten und Fristen. Das führt schnell zu hohen Mahngebühren bei Payment-Anbietern wie den getesteten Unternehmen Klarna, Billpay, Billsafe, Payolution, Ratepay und PayPal Plus. 
Die Unterschiede von Dienstleister zu Dienstleister waren erheblich, etwa bei den Zahlungsfristen. Bei Klarna sind es in der Regel 14 Tage, viele andere Anbieter sprachen unterdessen nur von „mit dem Händler abgestimmten“ Fristen. Dies und die Frage danach, wann die Frist überhaupt beginnt (also zum Beispiel nach Versand oder nach Erhalt der Ware) führte zu einer großen Verwirrung im Test und bei den Kunden.

Rechnungszustellung stellenweise undurchsichtig
Auch die Zustellung selbst sorgte bei den Verbraucherschützern für Kritik. Möglich waren E-Mail, Post oder zusammen mit der Ware. Je nach Verschickungsart liegen in der Regel mehrere Tage dazwischen. Wenn sich die Bestellung verzögert kommen Kunden so schnell unter Druck, was die Bezahlung der Rechnung angeht. Beispiel Klarna: Als Kostenfalle entpuppte sich hier das Händler-Versprechen "erst die Ware, dann wird bezahlt". Schließlich sollte auch bei verspäteter Ware eine Rechnung ("direkt von Klarna") eintrudeln. Wer darauf nicht reagierte, erhielt - selbst ohne Ware - eine kostenpflichtige Mahnung.

Tipp: Direkten Kontakt zum Händler suchen
Wer Probleme bekommt oder länger auf seine Ware wartet, sollte daher direkt mit dem Händler oder dem Payment-Dienstleister Kontakt aufnehmen raten die Verbraucherschützer. Nur dort nämlich ermöglichte der Anbieter, die Zahlungsfrist einmalig um zehn Tage zu verlängern. 

Retouren sorgen für Ärger
Auch bei Retouren lauern Gefahren zeigte der Test der Verbraucherzentrale. Bis zur Verbuchung einer Retoure konnte es je nach Händler bis zu 14 Tage dauern. Die Zahlungsfristen liefern unterdessen munter weiter. Deshalb empfehle es sich auf jeden Fall, die Zahlungsfrist zu verlängern - oder zu bezahlen. Später lasse sich zum Beispiel bei Klarna ein "Erstattungs-Formular" ausfüllen. Das heißt aber auch: Der Verbraucher muss erst mal für eine Ware zahlen, die er definitiv nicht behalten will. Vier der getesteten Unternehmen warnten zumindest kurz vor Fristablauf mit einer kostenfreien Zahlungserinnerung, bei Billsafe und Klarna wurden sofort Mahngebühren erhoben. PayPal Plus kassierte 4,70 Euro nach elftägigem Zahlungsverzug. Bei Billsafe war man "am ersten Tag des Verzugs" mit 3,70 Euro dabei, am siebten Tag noch einmal mit 3,95 Euro. Bei Klarna konnte es noch teurer kommen. Wie hoch wollte der Branchenprimus trotz mehrmaliger Anfragen der Verbraucherzentrale nicht beantworten. Auch Payolution, Ratepay und Billpay äußerten sich dazu nicht mit konkreten Zahlen.

Ob die Forderung wirklich berechtigt ist, können Kunden im Zweifel daher nicht mal richtig überprüfen kritisieren die Verbraucherschützer. Hilfe bei der Prüfung von fraglichen Mahn-Posten bietet die Verbraucherzentrale NRW daher in ihren Beratungsstellen an.

Quelle: Verbraucherzentrale NRW; Bild: Agentur Tillmanns
 
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